06.10.2015

Abgehoben

Über den Zaun gelupft: Mit einem spektakulären Hub über den Zaun des Flughafens Köln-Bonn geht die Dienstzeit des Parabelfliegers „Zero-G“ zu Ende, ganz auf Zero also. Mit einem Liebherr-Raupenkran vom Typ LR 1600/2 und einer ausgeklügelten Kombination von Anschlagmitteln hoben die Schwerlast-Experten von Riga Mainz den 82 Tonnen schweren Airbus A-300 vom Vorfeld des Flughafens. Es rollt jetzt ins Museum.
Ausgeklügeltes Gehänge: Die Kombination aus Traversen und Spreizen konnte mittels eines elektrischen Kettenzugs seine Neigung dem jeweiligen Schwerpunkt anpassen

Sechs Monate mit Planung und Besprechungsterminen liegen hinter Uwe Langer, dem Geschäftsführer von Riga Mainz, als im August das frühere Forschungsflugzeug „Zero-G“ endlich aus dem Gelände des Flughafens Köln-Bonn gehoben werden kann. Sowohl die Auflagen für den Kraneinsatz am Flughafen – wie zum Beispiel eine begrenzte Rüsthöhe – als auch die Anforderungen für das Anschlagen der sensiblen Last waren sehr hoch.
Die mächtigen Anschlagmittel für den Airbus brachten alleine 19 Tonnen auf die Waage

Am Flugzeug wiesen nämlich nur drei Punkte die hierfür erforderliche Tragfähigkeit auf: beide Hauptfahrwerke sowie ein Bereich am vorderen Rumpf des Airbus. Hier, in Höhe der vorderen Tür, wo drei Hebebänder zum Einsatz kamen, befinden sich tragfähige Spanten in der Flugzeugkonstruktion.
Nur durch Öffnen der Tragflächen war an die Anschlagpunkte an den Hauptfahrwerken heranzukommen

Die insgesamt 19 Tonnen schweren Anschlagmittel bestanden unter anderem aus zwei Traversen und drei von Riga Mainz entwickelten Lastspreizen. Über einen ferngesteuerten Kettenzug konnte der Kranhaken auch unter Last immer exakt über den Gesamtschwerpunkt eingestellt werden. Somit war es auch möglich, die gewünschte Neigung des Flugzeugs zur Horizontalen einzustellen, um bei Wind und Anströmung von vorn keinen Auftrieb zu generieren. Mit dieser Lösung wurde eine wichtige Anforderung des Kunden umgesetzt.

Etwa eine Stunde benötigte der Parabelflieger für sein letztes Abheben. Mit Halteseilen nach zwei Seiten an Teleskopladern gesichert, drehte das siebenköpfige Team während des Schwenkvorgangs den rund 54 Meter langen A-300 um fast 180 Grad in die gewünschte Ausrichtung. Dabei war äußerste Umsicht geboten, denn ein Windstoß hätte das Höhenruder am Heck gegen den Hauptausleger des Raupenkrans drücken können. Fast unmerklich langsam schwenkte und drehte der Airbus in seine endgültige Stellung. Dabei legte der LR 1600/2 mit seiner ungewöhnlichen Last rund 20 Meter auf einem eigens angelegten Schotterbett zurück.
Wolfgang Schubach von Riga Mainz überwacht vom Zielpunkt aus den Hebevorgang

Das anschließende Positionieren des künftigen Museumsstücks auf drei Fundamentpunkten erwies sich als langwierig. An der Konstruktion mussten noch kleine Korrekturen vorgenommen werden, ehe Kranfahrer Markus Knabe seine Last millimetergenau absetzen konnte. Flughafenchef Michael Garvens war begeistert: „Absolute Präzisionsarbeit und ein tolles Ergebnis.“
Geschafft: Die Halteseile am Bugfahrwerk des Fliegers werden entfernt

Über das Parabelflugzeug A-300 „Zero-G“
Von den 43 Dienstjahren, die der Airbus auf dem Buckel hat, gehörten die letzten 15 der Forschung und Wissenschaft. Für Astronauten-Trainings und Experimente führte das Flugzeug unter anderem für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Parabelflüge durch. Im schwach frequentierten Luftraum zwischen Schottland und Norwegen hatte der „Zero-G“ insgesamt rund 13.000 Parabeln geflogen und dabei jeweils für etwa 22 Sekunden Schwerelosigkeit simuliert.

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