21.09.2015

Wie war's beim Gardemann-Forum?

Zum vierten Mal hat Gardemann sein Arbeitssicherheits-Forum veranstaltet, diesmal in Hannover. Fünf Vorträge standen auf dem Programm, davon zwei von BG-Vertretern, einer aus juristischer Perspektive, der eines Verbandsvertreters und Wissenschaftlers sowie der eines Unternehmensvertreters. Bei allen Beiträgen stand die „Best Practice“ im Vordergrund, also das Bemühen, mit gutem oder bestmöglichem Beispiel voranzugehen oder derartige Handlungsweisen aufzuzeigen.
Gerrit Sellmer, Direktor Vertrieb & Marketing bei Gardemann, eröffnet den Reigen

Durchs Programm führte Ingo Rose, seit Jahresanfang bei Gardemann für Marktentwicklung zuständig. Als ersten Höhepunkt kündigte er Prof. Dr. Rainer von Kiparski an vom Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit. Dem souveränen und Sympathie ausstrahlenden Wissenschaftler ging es vor allem um die psychischen Belastungen beim Arbeiten. Und er wusste sogleich zu überraschen mit der Erkenntnis: „Sogar für psychische Belastungen gibt es eine DIN-Norm.“
Das Plenum: voll besetzt

Wie der Körper im Falle einer akuten Beanspruchungsreaktion reagiert, hatte der Auftritt von BMW-Chef zwei Tage zuvor auf der IAA gezeigt: Er kollabiert. Dass keiner der Zuhörer dichtmacht bei von Kiparski, liegt daran, dass der versierte Redner es – trotz?, wegen? oder sagen wir: – mit seinem akademischen Hintergrund versteht, die Leute in seinen Bann zu ziehen mit seiner ruhigen, eindringlichen Art. Rainer von Kiparski veranschaulichte lebhaft verschiedene wissenschaftliche Modelle zu Belastung & Beanspruchung von Menschen. Er wünscht sich mehr Kontrollen auf deutschen Baustellen, plädiert für mehr Lob der Vorgesetzten für ihre Angestellten und rät dazu, die Firmen-Mails nicht im Urlaub abzurufen: „Das ist nur die halbe Erholung“.
Prof. Dr. Rainer von Kiparski vom VDSI

„Wie krieje isch den Ausländer einjefangen?“, platzt es in rheinischem Singsang aus Rudi Clemens heraus im Hinblick auf von Kiparskis Vorschlag, man solle beispielweise die Arbeiter dazu motivieren, nach Feierabend oder zumindest am Wochenende für Ausgleich zu sorgen, indem man Sport treibt oder Ähnliches.

„Die liejen im Container, die wollen nisch raus“, so der Betriebsratsvorsitzende des Bauunternehmens A. Frauenrath aus Heinsberg. Als sich Clemens in einen nicht enden wollenden Redeschwall steigert, dabei kumpelhaft und hemdsärmelig zugleich rüberkommt, sorgt er für große Erheiterung. Moderator Ingo Rose sieht sich genötigt, den Wortbeitrag zu unterbrechen, woraufhin Clemens selbstironisch grinsend eingesteht: „Wenn isch erstmal auf Betriebstemperatur bin...“
Kube nahm den „Tatort Hubarbeitsbühne“ ins Fadenkreuz

Clemens Kube von der BGHM - Berufsgenossenschaft Holz und Metall widmete sich dem Thema Oben bleiben in vielen Facetten und besichtigte dabei den Tatort Hubarbeitsbühne. Das heißt, er stellte häufige Unfallursachen im Zusammenhang mit Arbeitsbühnen vor. In zwei Dritteln aller Fälle, steckt menschliches Fehlverhalten dahinter, falsche Bedienung, mangelnde Einweisung, ungenaue Vorbereitung, was auch immer. Um dem vorzubeugen, wünscht sich Clemens Kube Unterweisungen, die viel emotionaler ablaufen – und nicht kühl-distanziert. Mit Herzblut überzeugen – genau wie er selbst es in seinem Vortrag tut.
„Oben bleiben“ will Clemens Kube – der auf dem Boden blieb

Lebhaft auch der Vortrag des Juristen Thomas Wilrich

Sehr pointiert auch der Vortrag des Juristen Prof. Dr. Thomas Wilrich von der Hochschule München, „ein weiterer Höhepunkt“ laut Ingo Rose. Sehr selbstbewusst und klar artikuliert klamüserte der Fachanwalt für Wirtschafts- und Privatrecht wie auch für Produkt- und Technikrecht auseinander, was der Gesetzgeber, hinter bestimmten Formeln und Formulierungen der BetrSichV versteckt hat, der Betriebssicherheitsverordnung. Seine Stoßrichtung: Es geht weg vom starren, hin zum dynamischen Bestandsschutz. Wilrich: „Es gibt keinen ausdrücklichen Bestandsschutz mehr.“

Den hochgelegenen Arbeitsplätzen in niedrigen Arbeitshöhen unter fünf Meter widmete sich anschließend Hans-Helmut Brettschneider von der BG BAU. Er verdeutlichte Schwächen des in diesem Fall beliebtesten Arbeitsmittels, der Leiter, und brandmarkte die Sprossenleiter als Problemkind, während die Podestleiter zu begrüßen sei. Hintergrund: Rund die Hälfte aller Arbeitsfälle passieren von der Leiter. Geschätzte Gesamtkosten aller Leiterunfälle in der Statistik für alle Unfallversicherungsträger hierzulande: knapp hundert Millionen Euro. Und davon entfallen 30 Prozent auf die BG BAU. Ausdrücklich lobte er die Verwendung von Low-Level-Bühnen wie den Elevah 40 von Faraone.
Hans-Helmut Brettschneider von der BG BAU

Joachim Heinzelmann von Ed Züblin meldet sich zu Wort

Und Harald Gröner von RWE schilderte, wie er versucht, Partnerfirmen auf die Sicherheitskultur des Auftraggebers einzunorden. Er vertritt die Meinung: „Es gibt keinen tödlichen Unfall, der nicht vermeidbar wäre.“
Harald Gröner will die Themen Arbeitsschutz und Gesundheit im Team weiter voranbringen

Zusätzlich konnten sich die knapp hundert Zuhörer über die technischen Sicherheitssysteme wie den Bedienereinklemmschutz informieren und auch mit zwei LKW-Bühnen, einem T330 und einem T540 von Ruthmann, gen Himmel fahren. Oben bleiben eben.
Zum Abschluss konnten die Teilnehmer den Himmel über Hannover von einer T330 oder T540 aus bewundern

IPAF-Senior-Trainer Hans Wagner (l.) von Gardemann demonstriert die Funktionsweise des Einklemmschutz „SkySiren“

Kommentare

Ralph K.
Resümee der Veranstaltung: unnötig, oberflächlich und leider das eigentliche Kernthema verpasst. Wir würden uns wünschen das bei Zukünftigen Veranstaltungen doch deutlich mehr Fachkompetenz an den Tag gelegt wird.

22.09.2015
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