17.08.2015

Brücken- und Paukenschlag: Scherenhubbrücke von Greiner und Goldhofer

„Thunder!“: Vor kurzem wurde die neue Scherenhubbrücke „G²│K 600“ an die Schwerlastfirma Kahl übergeben. Damit haben Goldhofer und Greiner, die dabei zusammengearbeitet haben, für einen Paukenschlag in der Schwerlastbranche gesorgt. „Dieses Projekt sucht in der Schwerlastlogistikbranche wirklich seinesgleichen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Goldhofer Stefan Fuchs bei der Taufe der Scherenhubbrücke vor gut 130 Gästen im Memminger Werk.
Roter Riese: die neue Scherenhubbrücke G²│K 60o von Greiner und Goldhofer

Der Brückenname „G²│K 600“ ist ungewöhnlich: G² steht für die Gleichung „Goldhofer + Greiner = Kompetenz zum Quadrat“, heißt es seitens der Beteiligten. Die 600 steht für die maximale Nutzlast der Brücke von 600 Tonnen. Interessant ist die neuartige Konstruktion der Brücke. Bei ihr standen folgende Dinge an erster Stelle des Lastenheftes:
– die Optimierung des Verhältnisses von Eigengewicht zu Nutzlast
– eine temporäre Neupositionierung der Last sowie
– deren neuartige Verteilung auf die Achsen.

So konnte eine Achslastverteilung von weniger als 12 Tonnen realisiert werden, was ein einzigartiger Wert ist, so Greiner und Goldhofer unisono.
Die Brücke ist auf eine Konfiguration von maximal 2x24 Achsen und eine Lastaufnahme von bis zu 550 Tonnen ausgelegt. Dadurch sind mehrere Optionen für die Aufnahme von verschiedenen extrem schweren Gütern wie Generatoren, Transformatoren, Motoren, Turbinen oder Haspeln möglich.
Die Brückenkonstruktion hat mächtige Dimensionen und Nuztlasten

Dabei wird in Verbindung mit dem Hauptträger die Ladung mit Konsolen auf dem Obergurt abgelegt. Zu den Alternativen bei der Ladungsaufnahme gehören das Aufnehmen über ein zusätzliches Lastgehänge mit Querträgern sowie die direkte Ankupplung an die Tragschnäbel ohne Längsträger oder mittels der Stützfahrwerke, so dass kein Kran benötigt wird. Die „G²│K 600“ kann somit als Seitenträgerbrücke, als Kesselbrücke, als Hochbrücke oder als Tragschnabelbrücke mit freitragender Ladung gefahren werden. Zudem kann man die Brückenträger als eigenständiges Brückenüberfahrsystem (36 Meter) einsetzen.

Das auf einem neuen Baukastensystem basierende Konzept der Brückenkonstruktion bietet eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten. Die Konstruktion ist trotz ihrer scheinbaren Massivität – mit einer Spannweite von mehr als 52 Metern bei einer Gesamtlänge von rund 89 Metern (ohne Scheren und Zugmaschinen) – sehr flexibel einsatzbar. „Das versetzt uns in die Lage, die Anforderungen für die Genehmigung unserer Schwerlasttransporte besser, schneller und effizienter erfüllen zu können“, betont Andreas Kahl, geschäftsführender Gesellschafter von Kahl Schwerlast.
Auch für Unterhaltung war gesorgt: ein Kraftsportler übte sich im Verbiegen

Schließlich gibt es in Europa und vor allem auch in Deutschland immer mehr marode Straßen und Brücken, die aus Sicherheitsgründen nur noch mit vergleichsweise geringen Achslasten befahren werden dürfen. Gleichzeitig jedoch werden die Güter, die transportiert werden müssen, immer schwerer und größer. Mit der Konsequenz, dass die zuständigen Behörden diese Schwerlasttransporte meist erst nach langwierigen und aufwändigen Verfahren genehmigen.

Nicht selten müssen dabei aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse große Umwege in Kauf genommen werden. Oder die Genehmigung wird schlichtweg verweigert. Manche Güter, wie beispielsweise ein 400 Tonnen schwerer Walzenständer, werden in Deutschland deshalb nicht mehr in einem Stück produziert, weil die Transporte von und zu den Häfen kaum mehr durchführbar sind.

„Mit dieser neuen Brücke leisten wir einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Industriestandortes Deutschland im Maschinen- und Anlagenbau“, findet Andreas Kahl. „Aufgrund der zahlreichen Optionen, die uns diese Brücke bietet, können wir künftig öfter die für den Transport schnellste Strecke nutzen und müssen nicht Umwege in Kauf nehmen.“ Das spart Zeit und Geld.
Brückenschlag, Paukenschlag, Donnerschlag: G²│K 600

Die Firma Kahl transportiert vor allem 200 bis 300 Tonnen schwere Stückgewichte und kommt jetzt mit der „G²│K 600“ auf eine Achslastverteilung von unter 12 Tonnen. „Das ist ein einmaliger und bislang noch nie erreichter Wert“, freut sich Michael Greiner, Geschäftsführer von Greiner Fahrzeugtechnik. „Wir sind stolz darauf, dass wir in dieses Projekt unsere gesamte Erfahrung mit einbringen konnten.“

Die erforderliche Achslinienanzahl der Plattformkombination kann ohne großen Aufwand und schnell an die Größe der Ladung angepasst werden. Die Breite der Brücke ist im Bereich von 1.620 bis 6.200 Millimeter (lichtes Lademaß) stufenlos verstellbar, der vertikale Hub im Bereich der Lastaufnahme beträgt 2.145 Millimeter. Eingesetzt werden Goldhofer-Schwerlastmodule der Baureihen THP und der hydrostatisch angetriebenen Selbstfahrer PST/SL-E, wobei die Zahl der Achslinien von 2x10 auf 2x24 (Split und P-Kombination möglich) erweiterbar ist.
HIer die Taufe

Die offizielle Übergabe erfolgte vor einer Weile im Rahmen eines spektakulären Events bei Goldhofer in Memmingen. Zahlreiche nationale und internationale Gäste verfolgten die Weltpremiere dieser außergewöhnlichen Scherenhubbrücke. In Nebelschwaden gehüllt und zu den donnernden Klängen von AC/DC und Metallica wurde die imposante Konstruktion enthüllt.

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