17.12.2014

Niedersachsen testet Strecken-Radar

Das ändert sich im neuen Jahr: Als erstes Bundesland startet Niedersachsen einen Modellversuch zur Überwachung der Geschwindigkeit per Strecken-Radar. Die sogenannte „Section Control“ überwacht das Tempo in einem längeren Abschnitt, so wie dies in den Niederlanden, Österreich und der Schweiz bereits der Fall ist.

Wer kennt es nicht? Vor dem Blitzer steigt jeder in die Eisen. Danach regiert wieder der Bleifuß. Bis zum nächsten Blitzer. Dieses riskante Fahrverhalten will die Polizei nun ändern. Das Rasen ist eine der wesentlichen Ursachen für Verkehrsunfälle.
2015 startet die erste Abschnittskontrolle in deutschen Landen

„Durch die Messung der Geschwindigkeit über einen längeren Abschnitt erhält man ein besseres Bild des jeweiligen Fahrverhaltens. Section Control bietet die Möglichkeit, stark gefährdete Autobahnabschnitte ganz anders als bisher und wirkungsvoller zu überwachen. In Gefahrenbereichen wie zum Beispiel Unfallhäufungsstrecken, Tunnelanlagen oder Baustellen wird die Verkehrssicherheit effektiv erhöht“, ist Detlev Lipphard überzeugt, Referatsleiter Straßenverkehrstechnik beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

In Ländern wie Österreich, Holland und der Schweiz konnte die Unfallquote durch die Geschwindigkeitskontrolle auf festgelegten Abschnitten laut Polizei bereits deutlich gesenkt werden.

Hintergrund: Strecken-Radar
Der Kern dieses speziellen Verfahrens ist, dass es zu Beginn und am Ende einer definierten Strecke zwei Messpunkte gibt. Aus der ermittelten Fahrtzeit auf dieser Strecke errechnet sich die Durchschnittsgeschwindigkeit jedes einzelnen Fahrzeugs. „Das heißt, wenn man einmal kurzfristig etwas zu schnell fährt, wird man noch nicht belangt, sondern es gilt die insgesamt gefahrene Geschwindigkeit“, so Lipphard.
Dr. Detlev Lippard


Was hat das neue Verfahren bislang gebracht?
Die Section Control wird bereits erfolgreich in europäischen Nachbarländern eingesetzt. Nach Angaben des Europäischen Verkehrssicherheitsrates ETSC halbierten sich in Österreich auf einem Tunnelabschnitt der Donauuferautobahn in Wien seit Einführung der Abschnittskontrolle im Jahr 2003 die tödlichen Unfälle. Unfälle mit Personenschaden gingen um ein Drittel zurück.
Auch das Pilotprojekt auf zwei Autobahnabschnitten in der Schweiz brachte positive Ergebnisse für die Verkehrssicherheit: Die Anzahl der erfassten Geschwindigkeitsüberschreitungen durch PKW sank um 30 bis 40 Prozent, und der Verkehrsstrom wurde flüssiger. In den Niederlanden registrierte man seit der Installation des Systems an einer Autobahn im Jahr 2002 (!) nur noch 0,5 Prozent Geschwindigkeitsübertretungen. Die Zahl der Verkehrsunfälle sank dort um 47 Prozent.

Niedersachsen testet nun die Technologie als erstes Bundesland, und zwar ab dem kommenden Jahr 18 Monate lang auf einer vier bis acht Kilometer langen Bundes- oder Landstraße eingerichtet. Diese Ehre erfährt ab Mitte 2015 die unfallträchtige B6 zwischen Laatzen und Gleidingen.
Zwei Überkopfkontrollpunkte erfassen Kennzeichen, Autotyp und Geschwindigkeit; einer am Anfang, einer am Ende der Strecke

Alles nur Abzocke?
Wie meint der DVR-Experte Lipphard: „Die Anlagen sind teuer, und man kann in der Regel keine Gewinne damit einfahren. Es geht nicht darum abzuzocken, sondern Ziel ist einfach und allein die Verkehrssicherheit.“

Und der Datenschutz?
Die erhobenen Daten dürfen ausschließlich für die Geschwindigkeitsüberwachung gespeichert werden. „Die Kennzeichen werden zu Beginn und am Ende des Messbereichs in Form einer Pixelwolke erfasst. Das heißt, das exakte Kennzeichen kann nicht zugeordnet werden. Nur, wenn die Geschwindigkeit insgesamt überschritten wird, wird zusätzlich am Ende ein Frontfoto gemacht. Alle anderen Kennzeichendaten werden sofort wieder gelöscht“, betont Lipphard.

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