04.04.2013

Zwei LTR 11200 verfahren in voller Montur

510 Tonnen geballte Hebetechnologie schieben sich auf zwei Raupenfahrwerken über einen gerade mal fünf Meter breiten Baustellenweg. Es handelt sich um einen Liebherr Teleskop-Raupenkran vom Typ LTR 11200. Mit einteleskopiertem Hauptmast, 54 Meter langer Wippspitze und 182 Tonnen Ballast verfährt der mobile Großkran in vollem Rüstzustand innerhalb weniger Stunden zwischen zwei Windkraft-Baustellen. Zusammen mit einem zweiten Kran desselben Typs sorgt er im künftigen Windpark Saterland bei Papenburg dafür, dass die Türme für die neuen Anlagen derzeit nur so aus dem Boden sprießen.
Burkhardt Hartinger bei Rüstarbeiten an seinem LTR 11200

Insgesamt zehn Mobilkrane, davon acht Liebherr-Geräte, sind in dem Moorgebiet auf einigen wenigen Quadratkilometern im Einsatz. Für die hohe Schlagzahl an fertig gestellten Betontürmen sind jedoch maßgeblich die beiden mächtigen Teleskopraupen verantwortlich.
Die Sternabstützung wird zur Sicherheit ausgefahren

Die flache Topografie des Emslandes und die stabilen Schotterwege auf der Windfarm bieten den beiden Großkranen ideale Voraussetzungen. Wann immer die Wege es zulassen, verfahren die zwei Raupenkrane in voller Montur. Mit einteleskopiertem Hauptmast und folglich tiefer liegendem Schwerpunkt und Schmalspur-Raupenfahrgestell von nur 4,80 Meter Breite sind die Krane in der Lage, ohne abzurüsten zur nächsten Turmbaustelle zu wechseln.
Nach Fertigstellung des Turms wird einteleskopiert und zur nächsten Baustelle verfahren

Die Zeitersparnis ist laut Hersteller enorm, das kann man sich an den Fingern abzählen: Drei bis vier Tage für Ab- und Aufbau eines entsprechend großen Gittermastkrans werden dadurch jedes Mal gewonnen. Ein solcher Vorteil kommt naturgemäß vor allem in großen Windparks gewichtig zum Tragen.
Dem Schmalspur-Raupenfahrgestell genügen Baustellenwege mit nur rund fünf Meter Breite

Die Montage des jeweils unteren Abschnitts übernimmt der LTR 11200 des Windkraftanlagen-Herstellers Enercon. Dieser Kran setzt mit siebenteiligem Teleskopausleger und kurzer Montagespitze die bis zu 128 Tonnen schweren Betonteile.

Ist das Bauwerk etwas über 30 Meter hoch, kommt der LTR 11200 des Kranbetriebs Karl Hartinger zum Einsatz. Der Warburger Unternehmer betreibt auf der Baustelle diesen Kran mit dreiteiligem Teleskopmast und wippbarer Gitterspitze. Diese Konfiguration reicht aus, um mit den maximal 70 Tonnen schweren Elementen die Türme bis auf 105 Meter Höhe aufzubauen. Wollte man mit nur einem Kran den gesamten Betonturm erstellen, wären ein ständiger An- und Abbau der Wippspitze sowie die Veränderung der Ballastierung erforderlich.
Wird vom LTR 1100 bei Bedarf einfach geschleppt: die 54 Meter lange Gittermastspitze

Nach dem letzten Hub geht es sofort weiter zur nächsten Anlage, vorbei an Hecken, Baumreihen, Erdwällen und Gräben. "Das kann sonst kein Kran" lobt Junior-Chef Burkhardt Hartinger das schwere Gerät, das er meist selber steuert. Mit einer kleinen Fernbedienung lotst der Unternehmer sein riesiges Arbeitsgerät zum nächsten Baufeld. Ein abseits tief im Morast eingesunkener Teleskoplader mahnt Hartinger und seine Männer, Raupenfahrwerke und Untergrund keine Sekunde aus den Augen zu lassen; fortwährend wird der Weg nach eventuellen Rissen abgesucht. Jeder Quadratmeter unter den schweren Raupenketten muss einem Bodendruck von 26 Tonnen standhalten. Nach knapp zwei Stunden sind rund tausend Meter Strecke zurückgelegt, und der LTR 11200 ist an der neuen Baustelle sofort wieder zugbereit.
Als Hilfskran im Einsatz: LTR 1100 beim Montieren der Spitze

Zur Sicherheit wird mit ausgeklappten Abstützungen und nah am Boden geführten Abstütztellern der bis zu 13 x 13 Meter großen Sternabstützung gefahren. Kommt der Kran unerwartet in Schieflage, können die hydraulischen Stützen ein Umkippen verhindern. Ein Sicherheitsfeature, das sich schon mehrfach in der Praxis bewährt hat.
Ein eingesunkener Teleskoplader offenbart den Zustand des Untergrunds abseits der Fahrbahn

Ist die Zuwegung nicht optimal oder queren etwa Rohre unter dem Fahrweg, geht Hartinger auf Nummer sicher. "Dann nehme ich die Wippspitze ab und 100 Tonnen Ballast vom Kran", erklärt der erfahrene Kranführer. Dieser Mehraufwand ist jedoch auch nur eine Sache von wenigen Stunden. "Wir setzen den Kran bis zum Baustellenweg zurück, können dort bequem die Wippspitze ablegen und abballastieren." Die 54 Meter lange Spitze wird dann vom Assistenzkran, einem Liebherr LTR 1100, einfach zur nächsten Baustelle geschleppt. Das obere Ende des Gittermastes ist dabei auf dem Rollenwagen gelagert.
Der Platz einer kleinen Kreuzung reicht aus, um den LTR 11200 aufzurüsten

Nicht nur Hartingers großer Raupenkran wird von einem LTR 1100 unterstützt. Auch der Enercon-Konzern stellt jedem seiner beiden LTR 11200 einen dieser universell einsetzbaren und hochmobilen Raupenkrane zur Seite.

Die Liebherr-Ingenieure programmierten die LICCON-Steuerung eigens für die Hübe der Betonteile neu. Nun dürfen diese Segmente bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 15 Metern in der Sekunde gezogen werden. Üblicherweise sind elf Meter pro Sekunde die Grenze.
Der LTR 11200 von Enercon auf dem Weg zum nächsten Baufeld

Hartinger hat vor kurzem auch einen Liebherr-Mobilkkran vom Typ LTM 11200-9.1 in Betrieb gestellt und ebenfalls hauptsächlich in Windparks im Einsatz. Sind die Fahrwege auf der Baustelle gut, schwört er jedoch auf seinen großen Raupenkran. Und das überrascht nicht, wenn man sich den Job ansieht, den er im vergangenen Herbst im ostdeutschen Windpark Sarow abgeliefert hat. Aufgrund der guten Zuwegung konnte stets in vollem Rüstzustand umgesetzt werden. Acht Windkraftanlagen mit 100 Meter Nabenhöhe hatte der LTR 11200 nach gerade mal drei Wochen komplett fertig gestellt.
Und der LTR11200 von Hartinger beim Verfahren

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