25.02.2013

Einsatz mit Strahlenschutzanzug, Atemgerät und Dosimeter

Ein halbes Dutzend im Kampf gegen die Halbwertszeit: Fünf Potain-Turmdrehkrane und ein Manitowoc-Raupenkran werden in den nächsten vier Jahren in der kontaminierten Zone im Einsatz sein, um rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl einen riesigen Schutzmantel zu errichten: Das Projekt zum Bau einer neuen, sicheren Schutzhülle (New Safe Confinement – NSC) beinhaltet die Konstruktion eines Mantels mit einer Breite von 257 Metern und einer Höhe von 110 Metern, der die radioaktiven Überreste von Block 4 umschließen soll, in dem es 1986 zu der berüchtigten Katastrophe gekommen war.

Bei den Potain-Kranen handelt es sich um vier Krane mit wippendem Hilfsausleger vom Typ MR 605 B H32 und um einen MD 345 B L12; die Manitowoc-Maschine ist ein Raupenkran 2250. Der MR 605 B H32 ist Potains größter Wipper. Er bietet eine maximale Tragfähigkeit von 32 Tonnen und einen 60-Meter-Arbeitsradius. Manitowocs 2250 ist ein Raupenkran mit 272 Tonnen Tragfähigkeit.

Alle Krane sind acht Stunden am Tag im Einsatz, um Metallkonstruktionen mit einem Gewicht von bis zu 16 Tonnen zu heben und die bogenförmige 29.000-Tonnen-Struktur zu errichten. Alle Krane gehören Novarka, einem Joint Venture der Firmen Bouygues TP und Vinci Grands Projets.

Laut Jean-Claude Guiter, Großkundendirektor bei Manitowoc, ist dieses Projekt mit keinem anderen zu vergleichen, an dem das Unternehmen jemals mitgewirkt hat: „27 Jahre, nachdem die Tragödie von Tschernobyl die ganze Welt erschüttert hat, stehen wir am Beginn eines einmaligen Konstruktionsprojekts, das Mensch und Maschine an ihre Grenzen führen wird. Die Gefahren, die mit der Arbeit an einem radioaktiven Einsatzort verbunden sind, bedeuten, dass die Aufmerksamkeit auf Details besonders wichtig ist.“
Die neue Schützhülle für den Katastrophenreaktor von Tschernobyl ensteht hier

Da die unmittelbare Umgebung von Reaktor Nummer 4 noch immer heftig strahlt, wird das riesige NSC-Bauwerk 180 Meter entfernt errichtet und dann auf Schienen in seine endgültige Position geschoben.

Für die Aufenthaltsdauer der 300 Arbeiter auf der Baustelle gelten strenge zeitliche Begrenzungen. Aufgrund dessen dauerte allein der Aufbau der sechs Krane sechs Monate.

Vor Betreten der Baustelle müssen alle Arbeiter ein umfassendes Schulungsprogramm absolvieren und strenge Gesundheitsprüfungen bestehen. Am Einsatzort müssen sie dann einen Starhlenschutzanzug und ein Atemgerät tragen sowie ein Dosimeter, welches die radioaktive Belastung misst. Sobald eine Person 14 Millisievert Strahlung pro Jahr erreicht, kann sie nicht mehr auf der Baustelle arbeiten.

Sicherheit und Schutz vor Starhlung gelten natürlich auch für die Krane und ihre Bediener. So wurden alle Kabinen für dieses Projekt verstärkt und mit einer Bleiisolierung versehen. Außerdem sind die Arbeitsschichten der Kranführer kürzer, um die im Gefahrenbereich verbrachte Zeit minimal zu halten. Die Krane können auch ferngesteuert werden, wobei die Kranführer sich auf an jedem Kran angebrachte Videokameras stützen.

Angesichts der zeitlichen Begrenzungen der Schichten, aber auch unter dem Druck, das Bauwerk möglichst schnell zu erstellen, entschied sich Novarka für Wippkrane, da mehrere von ihnen dicht beieinander eingesetzt werden können. Außerdem wählte das Joint Venture vier Krane desselben Typs aus, um die Bedienung und das Arbeiten mit dem Kran einfach zu halten.

Hintergrund
Dies ist nicht das erste Mal, dass Manitowoc-Krane am AKW Tschernobyl gearbeitet haben. Zuvor, im Jahre 2005, wurde ein Potain-Spezialkran MD 3200 zum Verstärken des Dachs von Reaktor Nummer 4 eingesetzt. Die Arbeit an diesem Projekt wurde im Dezember 2006 abgeschlossen.

Die Bodenvorbereitungen für das jetzige Projekt begannen bereits 2011 und der neue Sicherheitsschutzmantel soll sich bis 2015 über Reaktor Nummer 4 befinden. Sein Auftrag: Er soll die Strahlung an dieser Stelle 100 Jahre lang abschirmen.

Der Name Tschernobyl steht für den ersten Super-GAU in der Nutzung der Kernenergie. Am 26. April 1986 kam es in dem ukrainischen Atomkraftwerk zur Kernschmelze. Der Reaktor explodierte und verteilte radioaktiven Staub quer durch Europa. Viele hunderttausende Menschen wurden umgesiedelt, tausende starben an den Folgen; wie viele, darüber streiten sich noch heute Experten. Die Gegend ist auch heute unbewohnbar.

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