10.02.2011

Rasch reagiert: Raupenkran abgesackt und abgestützt

Nach getaner Arbeit macht sich ein LTR11200 in einem Windpark mit moorigem Untergrund voll aufgerüstet auf den Weg zur nächsten Anlage, welche errichtet werden soll. Gesamtgewicht des mächtigen Gefährts: 415 Tonnen. Jeder Quadratmeter Untergrund muss einer Bodenpressung von 16,5 Tonnen standhalten.
Liebherrs Teleskop-Raupenkran LTR11200

Zunächst läuft alles reibungslos. Doch immer tiefer graben sich die Raupenketten des mächtigen Krans in den Fahrweg. Plötzlich brechen armdicke Risse auf dem verdichteten Schotterweg zwischen den Raupenträgern auf. Eine Fahrbahnseite senkt sich immer weiter ab und der Kran gerät in gefährliche Schieflage.

In diesem Moment entschließt sich der Mann an der Fernbedienung, sein Gerät zu sichern. Rasch fährt der Raupenkran seine Abstützplatten an den Enden der sternförmig abgespreizten Stützen nach unten, der Stahl presst sich in die morastige Wiese. Trotz moorigen Untergrunds reicht die Aufstellfläche aus, den Raupenkran zu stabilisieren und wieder in die Lotrechte zu bringen. Das Sicherheitskonzept des Kranherstellers für ein solches Szenario hat im Ernstfall funktioniert, sagt Hersteller Liebherr.
Die Raupenträger sinken ein

Der Mann an der Fernbedienung heißt Burkhardt Hartinger und ist Juniorchef des gleichnamigen Kranbetriebs aus Warburg in Nordrhein-Westfalen. Sein Arbeitsgerät ist der LTR 11200, ein Teleskop-Raupenkran auf Schmalspur-Raupenfahrwerk. Dadurch ideal für das Verfahren auf schmalen Wegen, wie sie in Windparks eben oft vorkommen. Nur hier, im neuen Anlagenpark unweit der ostfriesischen Stadt mit den Untergrund trefflich beschreibenden Namen Wiesmoor, halten die errichteten Fahrwege dem enormen Druck unter den Raupenketten des großen Gerätes nicht stand.

Vorausschauend hatte Burkhardt Hartinger die Abstützungen des LTR 11200 zum Verfahren abgespreizt gelassen, als der Kran sich in Bewegung setzte. „Genau für diesen Fall ist das natürlich ideal“, kommentiert er die Misere, während er einen der Abstützzylinder wieder hochfährt, damit seine Männer große Hölzer unter die Andruckplatten legen können. Nun gilt es, den Kran weiter zu stabilisieren und anschließend teilweise abzurüsten, damit der Rest des Weges doch noch zurückgelegt werden kann. Die Zeit drängt, das Montage-Team wartet schon an der nächsten Anlagenbaustelle. Der Untergrund an den Kranstellplätzen selbst ist besser präpariert. Vier Meter tief wurden die Flächen hier ausgebaggert und mit Kies verfüllt.
Abstützungen stabilisieren den Kran

Das teilweise Abrüsten des Krans geht den Männern routiniert von der Hand. Nach drei Stunden schon geht die Fahrt weiter. Um sämtliche Gittermastteile und 80 Tonnen Ballast erleichtert, macht sich der Koloss wieder auf den Weg. Die Schotterpiste ist so dimensioniert, dass das mit 4,80 Meter Breite äußerst schmale Raupenfahrwerk geradeso Platz findet. Das Umsetzen des Kranes in voll aufgerüstetem Zustand hat Hartinger schon einige Male durchexerziert: „Vom letzten Abschlagen an einer fertig gestellten Anlage bis zur Zugbereitschaft an einer rund 500 Meter entfernten Baustelle brauchen wir nur etwa drei bis vier Stunden“, erzählt der Unternehmer, der das stärkste Gerät seiner Kranflotte stets selber steuert.

Ständiger Begleiter von Hartingers LTR 11200 ist eine kleine Version des Liebherr-Teleskop-Raupenkrans, ein LTR 1100. Dieser mobile 100-Tonner wird hier zum Aufrichten der Turmelemente, des Generators, Arbeiten mit Mannkorb und natürlich zu Rüstarbeiten am großen Kran eingesetzt. Auf einer Baustelle wie in Wiesmoor kann der LTR 1100 – im Gegensatz zu einem bereiften Autokran – sich auch mal ein Stück in die weiche Wiese wagen, ist beim Standortwechsel ungleich schneller und kann eben auch mit Last verfahren.
Verfahren mit voller Ausrüstung

Burkhardt Hartinger und sein LTR 11200 haben den Windpark inzwischen fertig gestellt und insgesamt sechs Enercon-Anlagen vom Typ E-82 mit 108 Meter Nabenhöhe aufgebaut. Schwerstes Teil war jeweils der Flügelstern mit 51 Tonnen Gewicht, der komplett montiert bei einer Ausladung von rund 18 Metern eingehoben werden musste.

Danach ging es weiter nach Eisenach, wo der Teleskop-Raupenkran aufgrund der sehr schrägen Stellfläche an einer Windkraftanlage erstmalig sogar als Pedestal-Version, also ohne Raupenfahrwerke, zum Einsatz kam.

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