18.01.2011

870 Tonnen Stahl auf der Straße

Im Dezember 2009 beauftragte die Multilift-Gruppe den Spezialfahrzeughersteller Scheuerle mit dem Bau einer Seitenträgerbrücke der Superlative. Für den Transport von immer größer werdenden Generatoren und Transformatoren wurde die weltweit größte Seitenträgerbrücke mit bis zu 620 Tonnen Nutzlast innerhalb von kürzester Zeit konstruiert und gebaut.

Im November/Dezember 2010 konnte die Multilift Gruppe mit der STB 1000 das erste Großprojekt verwirklichen: Die Überführung des größten von Siemens gebauten Transformators von Nürnberg nach Wilhelmshaven. Mit 870 Tonnen Gesamtgewicht war dies der größte in Wilhelmshaven durchgeführte Schwertransport aller Zeiten.
Ein großes Publikum beobachtete die letzten Meter der STB1000-Jungfernfahrt am Schwerlastkai in Nürnberg. Danach fuhr das Ponton weiter bis nach Wilhelmshaven.

Den ersten Teil des Transports mit der Seitenträgerbrücke hat die Multilift-Gruppe am 12. und 13. November durchgeführt. Im Siemens-Trafo-Werk in Nürnberg wurde der bis dato größte von Siemens gefertigte, 495 Tonnen schwere Maschinen-Transformator für die Firma Tractebel Engineering – eine Tochtergesellschaft der GDF-Suez-Gruppe – zwischen die Seitenträger, welche auf 2 x 14 Achsen Scheuerle-InterCombi befestigt sind, eingespannt. Die Beförderung aus der Werkshalle konnte aufgrund von Platzmangel nur über die zusätzlich angekuppelten InterCombi-PowerBooster erfolgen. Durch den Schub der PowerBooster-Einheiten war eine Schubmaschine nicht notwendig.
6. Dezember 2010 in Wilhelmshaven: Abzweigung Ölhafendamm in Richtung Mühlenweg

Der Transport konnte daraufhin pünktlich um 22.00 Uhr beginnen. Im Schritttempo rollte die ca. 100 Meter lange Kombination über die Schwerlastroute bis zum Nürnberger Hafen. Im Beisein unzähliger Zuschauer und in Begleitung zahlreicher Polizeifahrzeuge galt es dabei, zwei kritische Einmündungen zu meistern. Nach 8 Kilometern, welche in einer 4,5-stündigen Fahrt vollzogen wurden, erreichte der Schwertransport den Nürnberger Schwerlastkai.

Am nächsten Samstagmorgen hieß es für die 13 Meter lange, 4,40 Meter breite und 5,30 Meter hohe Ladung „Roll on“ auf ein Ponton. Eine Geduldsprobe im wahrsten Sinne des Wortes, denn wenn pro Achslinie 24 Tonnen auf ein Ponton rollen, muss natürlich immer wieder Ballastwasser abgelassen werden. Über den Rhein-Main-Donaukanal fuhr das Ponton dann nach Dordrecht und Delfzijl in Holland. Danach ging es, nach sturmbedingten Verzögerungen, weiter über die Nordsee bis nach Wilhelmshaven.
Starker Nebel und nassglatte Straßen waren kein Hindernis für die über 100 Meter lange Gesamtkombination

Eine Begegnung der besonderen Art in Wilhelmshaven
Montag, 06. Dezember 2010: Am Lünebergkai in Wilhelmshaven wurde der Transformator wieder mit den Seitenträgern der STB 1000 aufgenommen. Die Last verteilte sich jedoch diesmal auf 2 x 20 Achsen InterCombi. Eingekuppelt war ein 4-Achs-InterCombi-PowerBooster, welcher mit zusätzlichen Antriebsachsen ausgestattet ist und mit 147 kW für ausreichend Schub sorgen sollte, sobald die Zugmaschinen nicht mehr ausreichten. Als Zug-Schubmaschinen kamen zwei MAN TGX41.680 mit jeweils 500 kW zum Einsatz. Die Dimensionen dieser Gesamtkombination sprechen für sich: Der insgesamt 102 Meter lange, 5,50 Meter hohe und 4,40 Meter breite Transport stand fahrbereit für die Reise durch die Wilhelmshavener Innenstadt.
An manchen Ecken musste so mancher Baum und Straßenpfosten dran glauben...

In Begleitung zahlreicher Einsatzkräfte der Polizei und bei starkem Nebel begann die Fahrt über Friesendamm, Ölhafendamm, Mühlenweg, Gökerstraße, Freiligrathstraße bis zur Preußenstraße. In Höhe der Autobahnbrücke, welche auf Grund der Größe des Transports nicht unterfahren werden konnte, musste der Schwertransport über die Autobahn geleitet werden. Mit Hilfe von Rampen und Platten überfuhr der Zug die Mittelinsel der Preußenstraße, gelangte auf die Autobahn, passierte – nach abmontierter Mittelleitplanke – die Fahrbahn als „Geisterfahrer“ im Gegenverkehr und fuhr anschließend die Auffahrt wieder hinunter auf die Preußenstraße. Für diese Aktion musste die A29 bis in die frühen Morgenstunden komplett gesperrt werden.

Weiter ging es bis zur Kniprodestraße, von dort zur Flutstraße bis zur Posener Straße, über die Eisenbahnbrücke zum Infocenter des Jade-Weser-Port bis zum Ziel, dem Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Dieser spektakuläre Schwertransport, welcher in dieser Nacht eine Strecke von 13 Kilometern zurückgelegt hat, brachte ein Gesamtgewicht von 870 Tonnen auf die Waage und geht damit in die Stadtgeschichte Wilhelmshavens als größter durchgeführter Transport ein. Eine Meisterleistung für Mensch und Maschine.
Der gigantische Konvoi am Ende seiner Reise: dem neuen Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven


Zur Technik der STB 1000
Die Seitenträgerbrücke des Typs STB 1000 verfügt über mehrere Optionen zur Aufnahme von Generatoren und Transformatoren. In Verbindung mit dem Hauptträger wird die Ladung mit Konsolen auf dem Obergurt abgelegt. Alternativ kann die Aufnahme der Ladung über ein zusätzliches Lastgehänge mit Querträgern erfolgen. Das Ladegut kann aber auch ganz ohne die Hauptträger direkt an die Tragschnäbel gekuppelt werden. Außerdem ist sie in der Lage, durch zusätzliche Stützfahrwerke die Ladung ohne Kranhilfe aufzunehmen und wieder abzustellen.

Flexible Einsatzmöglichkeit bietet die Brücke mit einer Spannweite von 38.220 mm bis zu 47.220 mm Länge – angepasst an die erforderliche Achslinienanzahl der Plattformwagen-Kombination und an die Größe der Ladung. Die Ladebreite der Seitenträgerbrücke kann stufenlos von 2.000 mm bis zu 5.200 mm eingestellt werden und sich somit der Breite des Ladeguts anpassen. Der Vertikal-Hub der Brücke im Bereich der Lastaufnahme beträgt 1.600 mm. Flexibel, aber nicht nur was Größe betrifft: Die Scheuerle STB 1000 kann Generatoren, Transformatoren sowie andere Ladegüter bis zu 620 Tonnen Gewicht aufnehmen und bewegen und ist damit weltweit unübertroffen.

Um einen sicheren Transportablauf zu garantieren, stehen dem Bedienpersonal zwei beheizbare Hightech-Kabinen für jeweils zwei Personen zur Verfügung. In den Kabinen befinden sich Bildschirme, die das Bild der auf die beiden Hauptträger gerichteten Kameras wiedergeben und so eine stetige Überwachung der Ladung während des Transports ermöglichen. Die breiteste Stelle der Gesamtkombination ist somit ständig in direktem Blickfeld.

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