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Gardemann stellt die Weichen neu

4. Februar 2016 | Kommentare (3)

Globalisierung? Internationalisierung? Exportorientierung? Vielleicht für Hersteller wichtig. Für Gardemann, als deutsche Tochter eingebettet in den international agierenden Lavendon-Konzern, stehen die Zeichen der Zeit auf Regionalisierung. „Wir haben bereits im Frühjahr 2015 die Weichen hierfür gestellt, indem wir uns auf die drei Großstädte Köln, Frankfurt und Stuttgart konzentriert haben. Nur haben wir diese Regionalisierung nicht konsequent umgesetzt", gibt Unternehmenschef Dietmar Müller unumwunden zu. „2016 wollen wir dies vollenden.“

Dietmar Müller
Dietmar Müller

Statt Zentralverwaltung wird es sieben komplett autarke Gesellschaften geben, wobei die Alpener Zentrale am ehesten noch einer Holding ähnelt. „Wir wollen unseren Kunden die Auftragsbearbeitung vor die Tür legen, die Wege massiv verkürzen“, so Müller. Neben den drei genannten Städten kommen als sogenannte Customer Support Center noch Nord (Hamburg), das Ruhrgebiet (Alpen), Bayern (München) und Ost (Berlin) hinzu. Von Alpen aus werden zudem die bundesweit tätigen Großkunden bedient.

Das bedeutet auch: weniger Beschäftigte am Hauptsitz. Wie viele genau, wollten die Verantwortlichen nicht sagen; die Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung seien bereits am Laufen. Im Gegenzug soll die Kompetenz vor Ort, in den Regionen, ausgebaut werden; dort werden also Stellen geschaffen. „Gardemann war sehr stark zentral gesteuert. Jetzt wollen wir die Regionen am langen Zügel führen“, gibt der studierte Maschinenbauingenieur die Marschroute vor. Die Zahl der Standorte bleibt mit derzeit 30 stabil.

Zweite große Änderung ist eine Spartentrennung: Straßengeräte vs. Industriegeräte. Ersteres sind LKW-Bühnen, intern als „GL“ geführt, 350 Stück. Letzteres umfasst alle anderen Arbeitsbühnentypen, über 3.000 an der Zahl. An größeren Standorten sind immer Geräte beider Divisionen vertreten. Die Trennung fußt auf komplett unterschiedlichen Kundenstrukturen. „Die meisten Kunden sind entweder GL-Kunden oder Industriegeräte-Kunden.“

Gardemann, Einsatzbild, LKW-Bühne
Die LKW-Bühnen kommen bei Gardemann zum 1. März 2016 in die Division „Straßengeräte“

Dieses Jahr fährt Gardemann ein 18 Millionen Euro starkes Investitionsprogramm, vor allem bei den LKW-Bühnen und Boomlifts. „Wir haben bei den Booms eine extrem hohe Auslastung von über 80 Prozent. In dem Bereich geben wir richtig Gas“, versichert Müller. Außerdem sinke das Alter der Mietflotte rapide und liege derzeit um die sechs Jahre.

So resümiert der 52-Jährige: „Das Vermietgeschäft kann man kompliziert machen, aber eigentlich ist es recht einfach. Wir sehen die Regionalisierung als beste Perspektive für unser Unternehmen. Das Vertrauen der Lavendon-Gruppe in die Strategie ist sehr groß.“ Im Laufe dieses Jahres soll sie umgesetzt werden. Die LKW-Division startet zum 1. März 2016, der Rest folgt sukzessive. „Die regionale Verfügbarkeit für den Kunden wird sich erhöhen“, verspricht Müller. Und bringt die Neuausrichtung so auf den Punkt: „Wir investieren bevorzugt in die großen Städte und werden uns den Kunden anpassen. Wir nehmen zentrale Kosten und Strukturen raus, um schneller und schlagkräftiger zu werden.
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MA
10. Februar 2016 09:24

Es gab mal eine Zeit, da gab es die Firma Zooom als Arbeitsbühnenvermieter in Deutschland, Tochter der britischen Lavendon Group. Zooom war dezentral organisiert, preisaggresiv, mit Qualitätsproblemen. Und ... defizitär. Und es gab die Firma Gardemann, zentral geführt aus Alpen, inhabergeführt, hochpreisig aber mit guter Qualität. Und profitabel. Und als die Inhaber von Gardemann ihren Erfolg versilbern wollten, griff Lavendon zu, fusionierte Zooom und Gardemann und wollte das beste aus beiden zu einem guten Ganzen kombinieren.
Wenn ich mir das als Aussenstehender so ansehe, komme ich zu dem Schluss, dass das gescheitert ist: Man wiederholt nur die Fehler die bei Zooom schon nicht funktioniert haben, löst gute und bewährte Strukturen auf, bringt Unruhe in die Belegschaft. Langjährige und erfahrene Mitarbeiter werden vor die Tür gesetzt oder haben sich schon was Neues gesucht.
Ja, da mögen die Weichen neu gestellt werden. Aber ich bin mir nicht sicher, ob auf dem neuen Gleis nicht bereits nach kurzer Zeit ein Prellbock die Fahrt beendet.

Heinz Bassuhm
6. Februar 2016 22:54

Dies scheint mir ein verzweifelter, letzter Salamischeiben-Schritt zu sein, zudem man sich von erfahrenem, sowie langjährigem Personal trennt. Wer glaubt, dass die „konsequente“ Dezentralisierung in solch einer Situation die heilsbringende Rettung ist, müsste schon verdammt gute Leute um sich haben, die genauestens wissen, wie man so etwas anpackt.
„Das Vermietgeschäft kann man kompliziert machen “, - ja, doch wer nur ein wenig Ahnung vom Arbeitsbühnenvermietgeschäft hat, der weiss, dass diese komplette Regionalisierung erfahrungsgemäß ein Schritt in die falsche Richtung ist.
Gardemann, mit Hauptsitz in Alpen, war über Jahrzehnte hinweg ein äusserst erfolgreiches Unternehmen, bis man (nach dem Verkauf an den "Mutterkonzern" Lavendon ) anfing , die klugen Köpfe der "Gardemänner" rauszukegeln und ein Geschäftsführer nach dem Anderen durch das Unternehmen hetzte. Genau wie bei Zooom, werden jetzt scheinbar riesige Summen von Lavendon nach Deutschland gebracht, genutzt hat dieses Zooom damals letztendlich nichts.
Denn : Wer das Übel nicht bei der Wurzel packt, kann die negativen Auswüchse nicht verhindern.
Aber : …nun wird es spannend. Die Branche kann sich jedenfalls freuen, aufgepasst, da werden wohl noch ein paar Top-Leute mit Top-Know-How vakant.

Oliver Feldbusch
5. Februar 2016 13:56

Interessante Nachricht, die Zentralisierung 1995 in Alpen hat mir den Einstieg in die Arbeitsbühnenwelt ermöglich.
Auch später war Gardemann immer ein fairer Partner für mich.
Jetzt geht es wieder zurück in die Region. Ich drücke die Daumen dass es klappt, und der Verlust an Marktanteilen aufgehalten wird.

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