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Palfinger

„Wir planen keinen 1-Achser oder 10-Achser“

17. Dezember 2014 | Kommentare (0)

(Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.)

Zur Person
Christoph Kleiner ist 1994 bei Liebherr eingestiegen, also vor 20 Jahren. Seit November 2007 ist er Geschäftsführer Vertrieb im Liebherr-Werk Ehingen. Kleiner ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter. Wenn Familie und Firma noch Zeit lassen, spielt er Golf, fährt Ski oder fotografiert.


Christoph Kleiner
Christoph Kleiner


Chinesische AT-Kranhersteller kommen auch nach Europa. Wie schätzen Sie die Marktentwicklung in Europa für diese Produkte ein?

Generell haben wir derzeit kaum Wettbewerb in Europa und in Nordamerika durch chinesische Hersteller Das Produkt selbst spielt nicht die einzige Rolle. Neben einem guten Produkt, das zulassungsfähig ist, sind weitere Faktoren maßgeblich, und zwar das ganze Drumherum: den Kundendienst, die Ersatzteilverfügbarkeit, die Dokumentation, eine Schulung, natürlich alles in Landessprache, nicht nur in Europa. Sie brauchen ein werthaltiges Produkt und Sie brauchen sicherlich auch eine Wiedervermarktungsorganisation. Wenn unsere neuen Mitbewerber aus Fernost diese Dinge alle bringen, dann werden sie sicherlich ein erstzunehmender Wettbewerber sein. Gleichzeitig muss man dann aber auch Äpfel mit Äpfeln vergleichen.

Habe ich Sie richtig verstanden: Sie sagen, das ist noch ein weiter Weg für die Hersteller aus Fernost, auf diese Standards und dieses Niveau zu kommen?

Ja, da sind noch einige Hausaufgaben zu machen. In manchen Teilen der Welt mögen Sicherheitsaspekte nicht so sehr im Vordergrund stehen. Zum Beispiel in Teilen Afrikas oder Südamerikas.

Was ist bei den gebrauchten AT-Kranen am meisten gefragt im Moment?

Die mittlere Klasse: vier bis sechs Achsen. Und im Großkranbereich sind gut erhaltene 500-Tonner immer gefragt. Die kleineren Krane wie 2- oder 3-Achser, gehen auch immer wieder, aber fast ausschließlich in Europa. Die lassen sich nicht weltweit vermarkten.

Gutes Stichwort: Montagekrane treten als Wettbewerb zu den kleinen AT-Kranen auf. Machen 2- und 3-Achser noch Sinn?

Die Frage stellt sich uns auch immer wieder. Die können wir jedes Mal mit einem klaren „Ja“ beantworten. Warum? Weil es immer noch genügend Szenarien gibt, bei denen ein All-Terrain-Kran mit kleiner Traglast, also ein 2- oder 3-Achser, für einen klassischen Offroad-Einsatz benötigt wird. Da haben die Ladekrane immer noch einen technischen Nachteil. Manche Wettbewerber haben sich aus dem 2-, 3-Achs-Segment verabschiedet – aber wir wollen unseren Kunden alles aus einer Hand anbieten, auch diese Geräte. Wir wollen das komplette Portfolio nach unten wie nach oben abdecken. Im Übrigen haben wir für nächstes Jahr für diese Krane recht passable Produktionszahlen geplant.

Was heißt das konkret?

Wir planen eine deutliche Steigerung aufgrund verstärkter Nachfrage im 2- und 3-Achs-Bereich. Da zählt ja auch der LTC dazu, der 50-Tonner, 55-Tonner und 60-Tonner. Wir haben in der Traglastklasse viele Typen – und mit dem 1030 und 1040 sogar zwei 2-Achser. Die sind alle in recht auskömmlichen Stückzahlen unterwegs.

Haben Sie eigentlich mit dem Riesenerfolg Ihrer großen AT-Krane gerechnet? Das hat ja schon vor Ihrer Zeit angefangen.

Das war ein Jahr, bevor ich dieses Amt übernommen habe. Mit über 50 verkauften LTM 11200-9.1 sind wir sehr zufrieden. Das hätten wir so vielleicht nicht prognostiziert, das muss man ganz klar sagen.

Das haben Sie jetzt sehr vorsichtig ausgedrückt. Das heißt doch, damit hat bei Liebherr keiner gerechnet, oder?

Stimmt. Das haben wir in dem Maß nicht erwartet. Außerdem hätten wir mit stärkerem Wettbewerbsdruck gerechnet. Aber das hat ja auch so nicht stattgefunden. Wir sind ja damals gleichzeitig mit Demag gestartet.

In welche Richtung geht Liebherr entwicklungstechnisch im AT-Bereich? Wo liegen die Schwerpunkte?

Wir haben ja als Hersteller die größte und breiteste Palette – von den besagten 2-Achsern bis hoch zum aktuell größten Kran, zwei 9-Achsern. Unsere Entwicklungskapazitäten sind momentan ganz stark gebunden durch die gesamte Motorenumstellung. Das ist leider ein massiver Bremsklotz für uns, das kann man gar nicht klar genug sagen. Wenn Sie 20 Krantypen in dem Segment haben, müssen Sie mehr oder weniger jeden einzeln umstellen. Und dein einen oder anderen vielleicht tatsächlich sterben lassen und dafür einen Nachfolger bringen. Kurzum: Das Spektrum wird sich nicht nach oben oder unten erweitern. Einen 1-Achser oder einen 10-Achser wird es nicht geben. (lacht)

Technische Weiterentwicklungen sehen wir insbesondere im Steuerungsbereich. Ein Beispiel: unsere Vario Base-Abstützung. Bei Sicherheits- und Überwachungsfunktionen, auch beim Rüsten, werden wir einiges tun. Auch in der Bedienbarkeit insgesamt. Dann untersuchen wir immer wieder alternative Werkstoffe, weil man bei den hochfesten Feinkornbaustählen am Ende der Entwicklung angelangt ist. Kunststoffseile sind auch ein Thema, aber noch nicht marktreif.

Wissen Sie, um eine kleine Zahl von Maschinen hinsichtlich Sicherheitsvorschriften und Abgasmissionen ständig anzupassen, müssen wir große Anstrengungen unternehmen. Wir reden von weltweit 2.500 bis maximal 3.000 Kranen – davon ca. 50 bis 60 Prozent in Europa und USA. Das ist weniger als ein Tropfen in den großen Atlantik. Das ist ein Riesenaufwand, der entsprechend viel Entwicklungskapazität bindet. Die nächste Stufe mit Partikelfilter verschärft diese Entwicklung. Bedenken Sie die geringe Belastung eines Oberwagenmotors, und am Ende muss ich mehr Kraftstoff verbrennen, um den Filter sauber zu halten, als ich im Normalbetrieb ohne Filter benötigen würde. Daher gehen wir auch in Richtung Ein-Motor-Konzept.

Wünschen Sie sich da manchmal eine stärkere Lobbyarbeit, eine bessere Vertretung?

Ein besseres Verständnis, erreicht durch Lobbyarbeit, ein besseres politisches Gehör für die Branche der selbstfahrenden Arbeitsmaschinen. Wir sind keine LKW-Hersteller. Da ist die LKW- und Auto-Lobby in der deutschen Politik einfach so stark, dass unser Thema unter den Tisch fällt. Wir würden uns wünschen, dass man da mehr gehört wird.

Fühlen Sie sich da von den Organisationen, die es gibt wie die BSK, gut vertreten?

Sagen wir mal so: Wir wissen aus Erfahrung, dass Verbands- und Lobbyarbeit Zeit braucht.

Die Bundeswehr bietet in den Kasernen Flachbildschirme an. Muss ein Hersteller seinen Mitarbeitern heutzutage mehr bieten?

Uns ist sehr viel daran gelegen, dass sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen. Ein gutes Betriebsklima ist ein ganz wichtiger Faktor. Wir sorgen dafür, dass es so bleibt. Wirtschaftliche Sicherheit durch eine gute Position im Weltmarkt, gute Auslastung hier im Haus, Verlässlichkeit, gute Aus- und Weiterbildung, Vereinbarung von Beruf und Familie. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei uns von 14 Jahren spricht dafür.

Herr Kleiner, herzlichen Dank für das Gespräch.


Liebherr Ehingen Luftaufnahme
Das Liebherr-Werk in Ehingen aus der Vogelperspektive


Liebherr Ehingen
In Ehingen bei Ulm fertigt Liebherr auf unvorstellbaren 840.000 Quadratmetern Fläche All-Terrain-Krane sowie die größeren Raupenkrane mit 300 Tonnen Tragkraft aufwärts. Die Fahrzeugkrane sind mittlerweile – vorher waren es die Erdbewegungsmaschinen – der größte Umsatzbringer. 2013 hat Liebherr mit dieser Produktgruppe 2,077 Milliarden Euro umgesetzt, rund 23 Prozent seiner knapp neun Milliarden.
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